Die Wasserstadt:
Ein Ort mit Geschichte

„Das Conti-Frauen-KZ ist ein Teil limmerscher
Ge­schich­te. Das können wir nicht ändern. Wir können nur erinnern, gedenken und vor allem informieren!“
Horst Dralle, Sprecher des Arbeitskreises Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer

Auf dem Areal der Wasserstadt Limmer – dort, wo in Zukunft Familien, Paare und Senioren mit viel Grün und Wasser leben und wohnen – standen ab 1899 die Fabrikationshallen der „Hannoverschen Gummiwerke Excelsior“, eines Herstellers von technischen Gummiprodukten und Reifen, der 1928 mit der Continental AG fusionierte. 1871 als „Continental-Caoutchoc- und Gutta-Percha Compagnie“ in Hannover gegründet, gehört die Continental AG heute zu den weltweit führenden Reifenherstellern und Automobilzulieferern. Im Werk Limmer produzierte die Continental AG Gummigemische für PKW- und Fahrradreifen, bevor der Produktionsstandort 1999 nach 100 Jahren geschlossen wurde.

In diese einhundertjährige Industriehistorie fiel mit der zwölf Jahre währenden NS-Diktatur auch das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte.

Im Frühjahr 1944 ließ die Continental AG in Limmer neben einem bereits existierenden Zwangsarbeiterlager ein Außenlager des KZ Neuengamme errichten – von Juni 1944 bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 waren hier zunächst 266, später über 1.000 weibliche Häftlinge aus Frankreich, Polen, Russland und anderen europäischen Ländern interniert, die in zwei Wohnbaracken untergebracht wurden. Die Zwangsarbeit der meisten Häftlinge bestand vorwiegend in der Produktion von Gasmasken im Continental-Werk, viele wurden aber auch zu Ent­trüm­me­rungs­ar­beiten in Linden-Limmer gezwungen oder mussten Zwangsarbeit in Langenhagen, heute Brink-Hafen, leisten. Das neun Monate lang existierende Außenlager wurde am 10. April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit, allerdings fanden sie nur noch 80 weibliche Häftlinge vor – alle anderen wurden vier Tage zuvor gezwungen, in das über 70 Kilometer entfernte KZ Bergen-Belsen zu marschieren. Viele der Frauen starben dort vor und nach der Befreiung.

Nach Kriegsende gerieten das Lager und die Schicksale der Häftlinge schnell in Vergessenheit – erst 1987 wurde auf Initiative Limmerscher EinwohnerInnen und nach einem Beschluss des Stadtbezirksrates Linden-Limmer außerhalb des Firmengeländes der Continental AG, die einen Gedenkort auf ihrem Gelände ablehnte, ein Gedenkstein errichtet. Dieser wurde 2015 zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch eine Informationstafel ergänzt. In der Wasserstadt Limmer wird in Zukunft die Erinnerung an die über 1.000 weiblichen Gefangenen der NS-Diktatur lebendig gehalten: Durch einen Gedenkort auf einem Teil des ehemaligen Lagerareals – und durch sechs Straßen, die die Namen von ehemaligen Häftlingen tragen.

Die Geschichte des Lagers wird seit 2008 vom Arbeitskreis Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer erforscht, auf dessen Website viele Forschungsergebnisse dokumentiert sind.

Ansprechpartner: Horst Dralle
E-Mail: arbeitskreis@kz-limmer.de
www.kz-limmer.de

  • Bild 1: Blick auf das Excelsior-Werk
    um das Jahr 1920
    (Quelle: Privatbesitz J. Hartig: )

 

  • Bild 2: Das Excelsior-Werk um das Jahr 1915,
    der Kanal ist noch nicht gebaut
    (Quelle: Privatbesitz J. Hartig)

 

  • Gasmasken, ein Foto des hannoverschen Fotografen
    Hein Gorny aus dem Jahr 1936
    (Quelle: Spectrum, Photogalerie Hannover (Hg.):
    Hein Gorny, 7. April–14. Mai 72, Ausstellungskatalog)